Autor: Kurt Wittmann

Nördlingerin Sami Hill bei der Basketball-WM in Australien

Die Nördlingerin Sami Hill (Mitte vorne, Nummer 4) gewann bei der WM in Australien mit ihrem Team Canada das Auftaktsspiel gegen Serbien.

Im internationalen Basketball jagt ein Großereignis das nächste. Am letzten Wochenende ging die viel beachtete Männer Europameisterschaft in Berlin zu Ende, in der die deutsche Nationalmannschaft bekanntlich spektakulär Bronze gewann. Postwendend begann am Donnerstag dieser Woche am anderen Ende der Welt, nämlich in Sydney, Australien die WM der Frauen. Die deutsche Auswahl ist hierbei nicht am Start, das Teilnehmerfeld umfaßt auch lediglich halb so viele Teams wie bei der Herren-EM, nämlich deren 12. Damit ist offensichtlich, dass allein die Qualifikation für dieses elitäre Turnier in Sydney bereits einen großen Erfolg darstellt. Auch wenn Deutschland nicht dabei ist, so laufen doch Spielerinnen über die große internationale Basketball-Bühne, die in Deutschland ihr Brot verdienen, ja sogar im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung. Samantha Hill, die normalerweise als Kapitänin der Eigner Angels in Nördlingen spielt, hat den Sprung in die kanadische Nationalmannschaft geschafft und traf im Eröffnungsspiel der sogenannten Todesgruppe B (mit Frankreich, Japan und Gastgeber Australien) gleich auf Serbien. Viele Expert:innen wähnten in diesem Match bereits eine Vorentscheidung um den Einzug ins Viertelfinale. Dazu muss man mindestens Vierter werden in seiner Gruppe, angesichts der Konkurrenz keine leichte Aufgabe. Team Canada konnte das Match mit 67:61 souverän für sich entscheiden und schaut jetzt optimistisch nach vorne. Der Turnierverlauf ähnelt ohnehin einem Parforce-Ritt. Bereits am 1.Oktober findet das Endspiel statt, kaum ein Tag einmal ohne Spiel. Und auch danach hat der Stress kein Ende. Einmal um die halbe Welt, via Kanada zurück ins Ries, wo das Team der Eigner Angels sehnlichst auf die Rückkehr ihrer Topspielerin wartet. Bereits am 8. Oktober startet die Saison mit einem Knaller-Spiel beim deutschen Meister in Freiburg. Bis dahin ist ein Blick auf die WM in Australien sicherlich lohnenswert, möglich ist er über die Website des Weltverbands www.fiba.com.

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Kurt Wittmann

Das Küken mit der Spannweite

Mit zunehmender Professionalisierung und Qualitätssteigerung wird es immer schwieriger, junge deutsche Spielerinnen an das Niveau der 1.Bundesliga heranzuführen. Die Eigner Angels bleiben dennoch ihrer seit 15 Jahren erprobten Philosophie treu und bauen talentierte und ehrgeizige Mädchen in ihren Kader ein. Noch mehr freut es den Angels-Fan und die zahlreiche Basketball-Anhängerschar im Ries, wenn dies mit einer Spielerin „aus dem eigenen Stall“ gelingt. Lena Graf ist mit ihren 17 Jahren die Jüngste im Kader der Eigner Angels und entstammt der Basketball-Dynastie Graf/Löffler. Das Eigengewächs vom TSV Nördlingen wird auch weiterhin in der Regionalliga ihres Stammvereins spielen, aber als vollwertiges Mitglied im Bundesligakader der BG Donau-Ries trainieren sowie bei Gelegenheit erste Minuten in Deutschlands höchster Liga mitnehmen. „Jede Minute ist wertvoll und ich werde im Training alles geben, um mich um Spielzeit zu bewerben. Zunächst einmal aber möchte ich mich in meinem ersten Jahr an das athletische und temporeiche Niveau der Bundesliga gewöhnen.“ Was die Athletik angeht, ist die 1,80 Meter große Flügelspielerin auf einem guten Weg. Morgens um 6 Uhr klopft die „eigentliche Langschläferin“ an die Tür von Dirk Bergers Fitness-Studio um ihre Morgenroutine durchzuziehen, vor allem außerhalb der Ferien um anschließend zur Schule zu gehen. Ein Jahr am Nördlinger Theodor-Heuß-Gymnasium fehlt der Schülerin noch bis zum Abitur. „Danach will ich mich ein Jahr lang komplett auf Basketball konzentrieren und als BFD bei der BG Donau-Ries arbeiten,“ hat die 17-Jährige bereits mittelfristige Pläne. Der Traum, eventuell danach an ein US-College zu gehen mit anschließendem Sportstudium ist zwar noch nicht konkretisiert, zeigt aber, wie perspektivisch Lena Graf denkt. Zusammen mit Lucy Michel nimmt sie die Plattform und die Möglichkeiten wahr, die der Standort Nördlingen mit seiner langen Tradition im Frauen-Basketball auf höchstem Niveau bietet.

1,85 Meter sind für eine Außenspielerin eine beachtliche Größe. Noch beeindruckender ist aber Grafs Spannweite. Mit fast 2 Metern von Fingerspitze zu Fingerspitze überrascht sie ihre Gegnerinnen sowohl beim Rebound als auch beim Bälleklauen ein ums andere Mal. „Ich muss aber noch lernen, meine langen Arme noch besser zu nutzen,“ sagt die selbstbewusste Nördlingerin.

Die bevorstehende Saison wird nicht arm sein an Spannung, aber die Entwicklung der beiden Young Guns, insbesondere der gebürtigen Nördlingerin Lena Graf zu beobachten ist eines der spannendsten Momente im Rieser Basketball. Wir wünschen dabei viel Erfolg und das nötige Quäntchen Glück.

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Kurt Wittmann

Weltpolitik meets Eigner Angels

Die aktuelle politische Lage macht auch vor den Erstliga-Basketballern der Eigner Angels nicht halt. Der Ukraine-Krieg veranlasste ca. 200.000 Menschen die Flucht aus dem Kriegsgebiet nach Deutschland zu suchen, nicht wenige auch ins Ries. Olena Vasylenko und ihr Mann Andrii fanden den Weg nach Nördlingen durch die Vermittlung einer amerikanischen Basketballerin, die noch letztes Jahr in Olenas Heimatstadt Berdyansk spielte und Kontakte zur sportlichen Leitung der Angels hatte. Ein Telefonat und ein paar Whats-App-Nachrichten genügten um das junge Paar kurz nach Grenzübertritt von Polen nach Deutschland ins Ries zu lotsen. Die BG Donau-Ries, der Stammverein der Eigner Angels, stellte den beiden kurzfristig eine Spielerinnen-Wohnung zur Verfügung und unterstützte bei der Kommunikation mit Ämtern, Ausfüllen von Formularen und sonstigen Alltäglichkeiten. Seit April leben die Vasylenkos nun in Nördlingen und während Andrii, selbst Basketballer, schnell Anschluss zu den TSV-Herren fand, entpuppte sich Olena trotz ihrer erst 21 Jahre als gestandene Erstligapielerin. In ihrem Heimatverein Chayka Berdyansk, gelistet mit ihrem Mädchennamen Popova, spielte sie in durchschnittlich 27 Einsatzminuten eine nicht unwesentliche Rolle als Point Guard, verteilte in jedem Spiel 5 Assists und organisierte das Angriffs-Spiel. Nach ein paar Trainingseinheiten mit Coach Ajtony Imreh kam man überein, der selbstbewussten Ukrainerin einen Profi-Vertrag für die kommende Saison anzubieten. Wie ernst die 1,64m große Aufbauspielerin ihre Basketball-Karriere nimmt, zeigt auch, dass sie auf eigene Faust mit dem Bus nach Paris reiste um beim legendären Turnier Quai54 schon einmal mit ihren künftigen Teammates Kontakt aufzunehmen und zusammenzuspielen. Im Schatten des Eiffelturms hatten sich nämlich unter anderem Angels-Spielerinnen Mariam Haslé-Lagemann, Anissa Pounds, Elina Koskimies und Amenze Obanor zu einem Team formiert, in dem Olena sich schnell zurechtfand.

Zurück in Nördlingen arbeitet die ehrgeizige Ukrainerin nicht nur an ihren Deutschkenntnissen sondern auch an ihren Basketball-Skills und an ihrer Fitness. Fünf Mal pro Woche werden in Dirk Bergers Fit-For-Life Gewichte gestemmt und Ausdauer trainiert. Coach Imreh sowie Ex-Angels-Trainer Pat Bär feilen mit Olena an individuellen basketballerischen Dingen.

Unabhängig von der Entwicklung in ihrem Heimatland können sich die Vasylenkos eine Zukunft im Ries gut vorstellen. Olenas Ehemann Andrii arbeitet mittlerweile Vollzeit in einem Getränkehandel. Mittelfristig will er natürlich, sobald seine Deutschkenntnisse gut genug sind, in der IT-Branche Fuß fassen, wo er sein Informatik-Studium anwenden kann. Die kleine Welt des Basketballs hat geholfen um zwei Menschen, die die große Weltpolitik zur Flucht zwang, aufzufangen und wieder Halt zu geben.

Bild: Kurt Wittmann
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Kurt Wittmann

Bienvenu retour à Nördlingen

Die 21-jährige Deutsch-Französin Mariam Haslé-Lagemann ließ ihr basketballerisches Potential bereits letzte Saison mehrfach aufblitzen und will nun, in ihrem zweiten Jahr bei den Eigner Angels, daran anknüpfen. Die in Mali geborene Modell-Athletin kam trotz langwieriger Verletzungen immerhin auf fast 12 Minuten Einsatzzeit und glänzte dabei meist in der Verteidigung, wo Coach Ajtony Imreh sie häufig mit Sonderaufgaben betraute. Diese Stärken in der Defensive will die 1,80 m große Flügelspielerin weiter ausbauen, aber auch an ihren offensiven Skills arbeiten. Die Konkurrenz um Spielminuten im neuen Angels-Team ist nicht von der Hand zu weisen, tummeln sich doch auf den Guard-Positionen zwei finnische Nationalspielerinnen, eine kanadische Nationalspielerin sowie Laken James, die Rückkehrerin aus Wisconsin, USA.

Das Wichtigste für Haslé-Lagemann ist bei allem Ehrgeiz die Gesundheit. Nach wenigen Spielen in der letzten Saison, als sie drauf und dran war, als DIE Überraschung und Newcomerin des Jahres betitelt zu werden, wurde sie von einer langwierigen Verletzung im Fußgelenk zurückgeworfen und gehandicapt. „Wenn Mariam gesund und verletzungsfrei bleibt, ist ihr alles zuzutrauen. Sie hat die Athletik, die Größe und die Schnelligkeit. Was ihr noch fehlt, ist Erfahrung und Selbstvertrauen,“ meint Coach Imreh, der große Stücke auf seine Flügelspielerin hält.

Neben dem Basketball-Court engagierte sich die Tochter einer Deutschen und eines Franzosen an Nördlinger Schulen. In der Realschule Maria Stern gab sie Französisch-Unterricht und im THG war sie Teil der Anti-Rassismus-Kampagne. Auch hier will die Sprachstudentin anknüpfen, wenn es die Gelegenheit dazu gibt. Bereits in Kürze wird Haslé-Lagemann zurück im Ries erwartet, wo sie schon vor dem offiziellen Trainingsstart mit ihrem Coach an ihren individuellen Fähigkeiten arbeiten will. Bienvenu retour im Ries.

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Text: Kurt Wittmann

Die „Schweizer Mauer“ mit dem Dutt

„Perfect Puzzle Piece“ smste Coach Ajtony Imreh nachdem die Verpflichtung seines vorerst letzten Puzzleteiles unter Dach und Fach war. Lea Favre heißt die 1,83m große Schweizerin, die das Team der Eigner Angels für die Saison 2022/23 zunächst komplettieren wird. Nach wochenlanger Suche entschied sich das Recruiting Team der Angels für die 25-jährige Power Forward aus dem Nachbarland, allen voran aufgrund ihrer Einstellung, Motivation und kämpferischen Fähigkeiten. „Attitude first!“ hieß die Devise und auf diesem Gebiet stach die athletische Schweizerin alle ihre Konkurrentinnen aus. Bei den Rider Broncs, dem US-College in New Jersey, für das sie drei Jahre lang auflief, wurde ihr der Spitzname „Swiss Wall“ verliehen. Die Schweizer Mauer bezog sich wohl hauptsächlich auf ihre Standfestigkeit beim Blockstellen und Rebounden. Dabei wusste der Import aus der Schweiz durchaus auch offensiv zu gefallen. Ihre 52 Prozent Trefferquote aus dem Feld sind bis heute unerreicht was die Broncs angeht. Im amerikanischen Basketball-Jargon nennt man dies wohlklingend „all-time leader in field-goal percentage”.

Nach drei Jahren im Trikot der Rider University zog es Favre zurück nach Europa. Der belgische Erstliga-Club Pepinster verpflichtete die Flügelspielerin und ging mit großen Hoffnungen in die Saison. Favre lieferte ab (13 Punkte und 9 Rebounds im Schnitt), doch der mannschaftliche Erfolg blieb aus im Zuge von vielen Corona-Erkrankungen und Verletzungen. Deshalb brennt die ehrgeizige Schweizerin nun auch darauf, ihre Zuverlässigkeit, ihre Vielseitigkeit und letztlich auch ihren Ehrgeiz und ihre Motivation in einem erfolgsorientierten Team wie den Eigner Angels einbringen zu können. „Ich werde alles für den Teamerfolg geben, was die Mannschaft braucht. Dies kann an einem Tag Rebounds und Defense sein, und an einem anderen Tag Punkte und Assists.“ Ihr äußerliches Markenzeichen, der hohe Dutt, der sie deutlich größer wirken lässt als die offiziellen 183 cm, erinnert etwas an die unvergessene Morgan Henderson. Und ihre Einstellung, die sie selber als „relentless – unnachgiebig“ bezeichnet, tut es auch.

Zusammen mit Johanna Klug, Julia Ruzevich, Elina Koskimies und nicht zu vergessen Amenze Obanor bildet Favre eine stattliche Auswahl an Innenspielerinnen für Coach Imreh. „Die Mädels werden sich im Training battlen, dabei sich stetig verbessern. Der Wettbewerb im Training ist die Grundlage für ein erfolgreiches Spiel,“ freut sich der Übungsleiter der Eigner-Girls über die neu gewonnenen Möglichkeiten auf der großen Position. „Lea bringt als ‚undersized post player‘ ein neues Element in unser Spiel. Damit sind wir viel flexibler und weniger leicht auszurechnen.“ Einen Nebenaspekt betont Coach Imreh noch besonders: „Lea ist eine Basketballexpertin. Sie hat ihren Master gemacht über die Euroleague Meisterschaft und deren Hintergründe. Ich hoffe wir können ihr Basketballwissen auf und abseits des Feld einsetzen.“ Knapp 100 Tage sind es noch bis zum Beginn der Jubiläums-saison der Angels. Für ihr 15.Jahr in der 1.Liga scheinen die Nördlingerinnen gut aufgestellt zu sein, nicht zuletzt aufgrund einer Schweizer Mauer im Team.

Bild: Kurt Wittmann
Text: Kurt Wittmann

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