Angels siegen im engen Spiel gegen den Herner TC

(thla.) Was für ein Bundesligastart für die Eigner Angels aus Nördlingen. In einem über weite Strecken zerfahrenen und nicht schön anzusehenden, aber immer spannenden Spiel gewannen die Rieserinnen überraschend mit 68:67 beim letztjährigen Meisterschaftsvierten TC Herne. Damit setzen sie gleich zu Beginn der Saison mit Siegen im Pokal gegen Saarlouis und jetzt auswärts in Herne ein großes Ausrufezeichen. Und das ohne die immer noch verletzte Asha Thomas.

Das Spiel begann sehr zerfahren. Beiden Teams war die Nervosität anzusehen. Nach zehn Sekunden ein Offensivfoul von Hernes Kapitänin Sofia Pelander, gefolgt von einem Schrittfehler auf Nördlinger Seite, danach zwei Angriffe der Rieserinnen mit jeweils einem vergebenen Dreipunkteversuch von Anissa Pounds. Die Gastgeberinnen versuchten es mit Distanzwürfen, die Nördlinger suchten den Erfolg mit abwechselnder Ganzfeldpresse und Zonenverteidigung. Das klappte aus Angelssicht bis zum 6:6 in der 5. Minute ganz gut. Dann aber gelang den Gastgeberinnen ein 8:0 Lauf auf 14:8. Ein echter Spielfluss wollte nicht aufkommen und so endete das erste Viertel mit 21:15 für Herne.

Das zweite Viertel startete mit einem unsportlichen Foul von Angel Mariam Hasle-Lagemann und zwei Freiwürfen für Herne. Das konnte von den Westfälinnen jedoch nicht genutzt werden. Dafür gab es zwei Dreier zum 27:17. Immer noch konnten die Eigner Angels ihr Spiel nicht aufziehen, trafen schlechte Entscheidungen im Eins gegen Eins oder vergaben gute Chancen unter dem Korb und durfte sich beim Turnclub bedanken, dass diese im Passspiel ebenfalls viele Fehler machten. Über die Schwächen Hernes im Angriff fanden die Rieserinnen dann aber ihre Stärke in der Verteidigung wieder. Zehn dokumentierte Ballgewinne waren das Ergebnis der Bemühungen in den ersten 20 Minuten. Vor allem Angelskapitänin Sami Hill (8 Punkte im zweiten Viertel, 4 Steals) führte ihr Team jetzt an den Doublesieger von 2019 heran. Immer noch war das Spiel eher ein kick and rush, organisatorisch ausbaufähig, nichts für Basketballästheten und geprägt von Einzelaktionen auf beiden Seiten. Aber – es war spannend. Einen von 16 Ballverlusten der Hernerinnen in der ersten Halbzeit und ein Offensivfoul nutzten die Eigner Angels 35 Sekunden vor Ende der ersten Hälfte um an 37:34 heranzukommen. Damit gewannen die Nördlingerinnen dieses Viertel mit 19:16 und hielten sich alle Optionen für Halbzeit zwei offen. Gespannt durfte man unter anderem auf das weitere Duell von Angel Marina Dzinic gegen Hernes Kapitänin Sofia Pelander, die beide mit drei Fouls in die Kabinen gingen.

Wacher kamen die Hernerinnen aus den Kabinen. Und dass, obwohl die Kraterbasketballerinnen erstmals mit ihrem neuen großen Mannschaftsbus anreisen konnten. Schnelle 8 Punkte vergrößerten den Rückstand aus Angelsicht wieder auf sieben Punkte (45:36, 23. Minute). Wieder mussten die Angels sich an Herne herankämpfen, wieder kosteten Unkonzentriertheiten Energie. Coach Ajtony Imreh sah sich gezwungen, eine frühe Auszeit in der zweiten Hälfte zu nehmen. Nach wie vor war es kein schönes Spiel, beide Teams agierten großzügig nachlässig mit den Chancen und die Duellanten Dzinic/Pelander zogen beide ihre vierten Fouls (25. Minute). Coach Imreh ließ nun seine beiden Youngsters, Mona Berlitz und Bianca Helmig, aufs Feld und schonte damit Kräfte bei seinen Führungsspielerinnen. Die Angels kamen durch Meg Wilson wieder auf 53:52 ran (29. Min.) und hatten 14 Sekunden vor Viertelende die Chance durch Sami Hill erstmals in Führung zu gehen. Hill konnte jedoch lediglich ausgleichen und man ging mit 53:53 und mit dem zweiten Viertelgewinn (19:16) in den letzten Durchgang.

Elina Koskimies brachte ihre Angels sofort nach Wiederbeginn mit 55:53 erstmals in Führung, erhöhte gleich weiter auf 57:53 und 60:53. Am Ende war sie mit 20 Punkten Topscorerin. Herne aber zog gleich (60:60, 34. Minute). Erneut vertraut Nördlingen Coach Imreh auf seine Youngstergarde und nimmt in der 36. Minute den erneuten Führungswechsel für Herne in Kauf (62:60). Dzinic zog ungeschickt ihr fünftes Foul gegen Pelander und musste das Spiel beenden. Eiskalt wie der finnische Winter sorgte Elena Koskimies wieder für die Nördlinger Führung und zog auch noch das fünfte Foul bei Hernes Pelander (37. Minute, 65:62). Mittlerweilen war allen klar, dass hier nur die Mannschaft mit dem größeren Siegeswillen vom Parkett geht. Taktische Spielzüge sah man kaum. Nach zwei verstolperten Hill-Angriffen ließ die Kanadierin im dritten Abschluss hintereinander einen erfolgreichen Wurf zum 67:64 folgen (39. Minute). Ein überraschender Auswärtssieg zum Start der Bundesligasaison lag also zum Greifen nahe. 27 Sekunden vor Schluss verkürzt der TC Herne auf 68:67 und ließ Coach Imreh eine Auszeit nehmen.

Und tatsächlich, die Überraschung gelang: die Eigner Angels gewinnen das Auftaktspiel zu ihrer 14. Bundesligasaison nach einem nicht schönen Spiel, aber durch Willen erzwungenen Sieg. Drei Viertel gewonnen, vier Spielerinnen punkten zweistellig und insgesamt 23 geklaute Bälle bestärken den Eindruck, dass hier eine mannschaftliche Einheit am Werk ist, die das Nördlinger „Wir“-Gefühl nach kurzer Zeit verinnerlicht hat.

Nun gehen die Eigner Angels in ihr erstes Saisonheimspiel am kommenden Freitag, 01.10.2021 um 19:30 gegen Heidelberg.
Karten gibt es unter eigner-angels.de.

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